Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Rainhard Fendrich hat recht. Wien bei Nacht muss man erlebt haben. Zwei kleine Ergänzungen meinerseits: Erstens sind auch die Tage ein Erlebnis und zweitens gibt der Beginn der Nacht – also wenn es noch nicht ganz dunkel ist – optisch noch viel mehr her als die stockdunkle Nacht selbst. Aber das ist eh fast überall so. Hier geht es um die gar nicht alltäglichen Szenen der Österreichischen Hauptstadt.

Wenn man in Wien lebt und arbeitet, dann fallen die alltäglichen Schönheiten weniger auf, aber das ist auch überall so. Also achten sie nicht auf das Riesenrad, wie Rainhard Fendrich singt, so etwas lenkt Sie nur ab. Aber auch da habe ich eine kleine Ergänzung: Wenn es dunkel wird, kann auch das „Vienna Eye“ einiges hermachen. Irgendwann werde ich es sicher fotografieren. Vielleicht.

Ein seltener Anblick: Das verschneite Wien bei Nacht

Was hingegen sehr wohl stark auffällt – weil extrem selten in Wien – ist die Schneedecke, wenn es tatsächlich einmal so viel schneit in der Stadt, dass es für ein paar Zentimeter reicht, die dann auch länger als ein paar Stunden liegen bleiben. Dann sieht Wien auch für die ganz anders aus, die hier leben. Und das macht es interessant für Leute, die gerne Fotos machen die man nicht jederzeit wiederholen kann. Und wenn dann noch die besagte und besungene Nacht beginnt muss man schnell sein, damit man durch trotz städtischem Stau oder langer Straßenbahnintervalle rechtzeitig ein gutes Motiv gefunden hat, bevor die gute Abend-Stimmung wieder vorbei ist und sich die Nacht voll ausgebreitet hat.

Es gibt viele gute Motive und Fotospots in Wien: Der Karlsplatz mit der Karlskirche, die Ringstraße mit Staatsoper, Rathaus und Parlament, der Burggarten mit der Hofburg – und ja, auch der Prater mit dem Riesenrad. Aber:

Um das verschneite Wien gut auf ein Bild zu bekommen muss man aber etwas höher hinauf, denn die seltene Schneedecke hat ja die Gewohnheit, unten am Boden zu liegen. Und auf den Dächern sieht man sie auch nur, wenn man von weiter oben darauf schaut. In diesem Fall habe ich zwei Favoriten.

Kaiserliche Aussicht

Wien ist die Stadt der Parks und Grünflächen. Sie tragen einen großen Teil dazu bei, dass Wien in den Rankings zur „lebenswertesten Stadt der Welt“ immer an der Spitze liegt. Die internationale Beratungsagentur Mercer und der der Economist, die solche Wertungen abgeben, haben Wien meistens ganz vorne. Eine dieser Grünflächen ist der Schlosspark hinter der Schloss Schönbrunn mit der Gloriette, ein Naherholungsgebiet im Westen der Stadt. Und hier sieht man auch immer wieder Fotografen. Aus gutem Grund. Ganz besonders, wenn die Grünfläche zur Weißfläche geworden ist: im Winter.

Die Gloriette thront auf einem Hügel und überragt damit das Schloss Schönbrunn und große Teile Wiens. Ihre erhöhte Position macht sie gleich in zweierlei Hinsicht zu einer fantastischen Foto-Location. Einerseits ist das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit dem davor liegenden Teich selbst ein gutes Motiv, andererseits offenbart sich von dort ein unglaublicher Blick über die Stadt. Wegen der Weitläufigkeit des Geländes empfiehlt sich hier ein ein Tele-Objektiv.

Die Gloriette ist ein frühklassizistischer Kollonadenbau, der das hintere Ende des Schlossparks bildet. Der mittlere Teil ist noch zu Lebzeiten Maria Theresias verglast worden und beherbergt heute ein Café, das die Seitenteile im Sommer auch als Terrasse nützt. Früher diente der verglaste Teil als Speisesaal, Festsaal und Frühstückszimmer der Wiener Royals.

Party is over

Weniger imperial ist der Donaukanal. Frühmorgens Laufstrecke für Hobbysportler und Trainingsgelände für den jährlichen Wien-Marathon, Abends Partymeile extralarge. Für Sprayer ist der Donaukanal die größte Freilichtbühne für Graffitis, für HobbygärtnerInnen ohne eigenen Balkon ein Platz fürs guerilla-gardening und für Skulpturen-Schaffende KünstlerInnen ein Ort für eine öffentliche Vernissage. Wie legal das alles ist will ich jetzt nicht so genau wissen. Für mich ist der Donaukanal ohnehin nur Laufstrecke und Fotomotiv. Und da bin ich mir in puncto Legalität sicher 😉

Wenn es Winter wird in der Stadt ist die Party am Donaukanal vorbei. Dann steigt die Chance auf eine fotogene Schneedecke, die man besonders gut von den Brücken über den Kanal auf das Bild bringt.

Von der Marienbrücke sieht man in Richtung Norden die Krümmung des Kanals sehr gut, von der Augartenbrücke aus lässt sich auch der fotogene Ringturm mit aufs Bild bringen.

Der Donaukanal ist kein Kanal im eigentlichen Sinn. Sein heutiger Verlauf war im Mittelalter der Hauptarm der Donau, dessen östliches Ufer wegen der vielen Hochwasser befestigt wurde. Hier konnte sich damals auch die Stadt weiter entwickeln. Erst später hat sich der Hauptarm der Donau weiter in Richtung Nord-Osten verlagert. Heute misst der Donaukanal eine Länge von ca. 17 Kilometer von der Abzweigung aus der Donau bis zur Wieder-Mündung.